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[???] Fragen an M31

March 30, 2012

Hey M31-Bündnis, wir hätten da mal ein paar Fragen!

I. Ihr schreibt in eurem Aufruf, es würden marktradikale Reformen durchgesetzt. Was bedeutet eigentlich Marktradikal? Gibt es auch eine Form von Markt, Kapitalismus und Verwertung, die weniger radikal funktioniert, also weniger total ist?

II. Ihr redet ständig von “wir”. Wer ist eigentlich dieses “wir”?

III. Ihr sagt, in den ersten Jahren der Krise sei davon die Rede gewesen, dass die Banken und Konzerne die Folgen der Krise mittragen müssten. Jetzt passiere das Gegenteil. Aber warum eigentlich die Banken und Konzerne? Ist nach Marx dem Kapitalismus nicht eine krisenhafte Dynamik immanent? Liegt das Problem dann nicht bei uns allen? Und habt ihr wirklich geglaubt, dass diese etwas zahlen müssen? Oder glaubt ihr nur eure Leser_innen seien so naiv? Und was wäre eigentlich besser, wenn die Banken und Konzerne die Kosten getragen hätten? Wäre das dann weniger “marktradikaler”, mehr so à la: “Europa braucht ein mitfühlendes Herz”? (Helmut Schmidt)

IV Haltet Ihr es für den richtigen Weg mit Events wie M31 den Leuten klar machen zu wollen, dass “Kapitalsimus die Krise” ist? Ist es nicht eher so, dass ihr mit sowas nur noch mehr die Immanenz der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus verschleiert? Ist es denn richtig seinen Protest auf solche scheinbaren Zuspitzungen eben dieser Krisenhaftigkeit des Kapitalismus auszurichten? Bestätigt dies nicht viel mehr die allgemeine Wahrnehmung der Menschen, dass es ein guten und bösen Kapitalismus gibt? Wie gedenkt ihr diese Probleme zu lösen?

V. Ihr sagt durch den Sparkurs in der Krise zeige sich, dass Kapitalismus “Krise und Ohnmacht, Armut inmitten von Reichtum” bedeute. Die mehr als 20000 Hungertote jeden Tag haben das nicht gezeigt? Oder die rund 185 Millionen Kriegstote im 20. Jahrhundert? Habt ihr euch mal überlegt, warum es für die Leute ok ist, wenn Menschen in der dritten Welt wie die Fliegen sterben, aber die Erhöhung ihres Renteneintrittsalters zur Ablehnung des Systems führt? Sind das eure revolutionären Subjekte? Glaubt ihr diese Leute wollen dasselbe wie ihr? Ist das vielleicht sogar euer “wir”?

VI. Meint ihr nicht, dass es einen Grund hat, dass die meisten Menschen nach wie vor nicht die Regierung stürzen und das Kapitalverhältnis aufheben wollen? Meint ihr nicht auch, dass hier eine Kritik des notwendig falschen Bewusstseins einsetzen müsste und daran, dass es genau im Kapitalismus eben das ist: notwendig und gegen Widersprüche abgedichtet?

VII. Einige von euch stellen richtiger Weise fest dass Organisierung sich nicht auf solche Events beschränken soll. Wo aber seht ihr die Möglichkeit eben dies zu erfüllen? Wo brecht ihr aus aus dem Eventcharakter aus? Und wie seht Ihr in diesem Kontext euere Mobi-Arbeit (oder besser mit den Worten der Antifa [F]: “Werbung für den Kommunismus”)?

VIII. Warum kritisiert ihr euch eigentlich nicht auch mal selbst? Warum muss das immer von aussen kommen? Es fällt uns schwer zu glauben, dass jede_r von euch 100% dahinter steht und das ist auch gut so. Warum also schreibt ihr nie Kritiken an euer eigenen Bündnisarbeit, allenfalls wenn es massiv schief läuft? Habt ihr solche Angst euch angreifbar zu machen, oder glaubt ihr wirklich das würde niemanden von außen etwas angehen?

IX. Und zu guter Letzt: Warum tut ihr so, als hättet ihr alle Antworten auf die aktuellen gesellschaftlichen Zustände? Wieso liefert ihr Antworten, bevor ihr die Fragen gestellt habt?

Wir haben zur aktuellen Situation mehr Fragen als Antworten. Wir glauben, ein bisschen weniger Selbstgewissheit würde euch gar nicht so schlecht stehen.

Solidarische Grüße, die drei Fragezeichen

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From → Kritiken

5 Comments
  1. Teodor Webin permalink

    1. Marktradikalismus ist etwas, was mit Kritik an Personen eingeht (oha, in die Nesseln gesetzt, wa?). Es geht nicht um einen “besonders radikalen Markt” sondern um die besonders radikale Verfechtung des Marktprinzips.

    2. http://www.grundrisse.net/grundrisse18/john_holloway.htm

    3. Ja, Europa braucht ein mifühlendes Herz.

    4. Ja. Nein. Ja. Nein. Erübrigt sich.

    5. Ja, das sind die revolutionären Subjekte. Ja, ich glaube, diese Leute wollen das selbe wie ich. Ja, das ist unser “wir”.

    6. Die meisten Menschen wollen die Regierung und das Kapitalverhältnis umstürzen, sie können sich nur nicht vorstellen, dass das geht. Die Ideologie von einem “notwendig falschen Bewusstsein” ist pillepalle. Bzw., wenn es so etwas gibt, habt ihr und ich es auch.

    7. Eine Event ist Nebensache. Das ist mal schön, aber das ist rein symbolisch. Es geht um die Organisierung im Alltag. Nicht als Polit-Hobby nach Feierabend, sondern beständig.

    8. Warum sollte eine Gruppe diese Texte veröffentlichen, anstatt solche Themen erst mal intern zu debattieren?

    9. Tun wir doch gar nicht.

  2. peter shawn permalink

    Wenn du an ner Debatte kein Interesse hast, dann schreib doch lieber gar nix als so was (“Pillepalle” würde hier übrigens tatsächlich passen; zum Ideologiebegriff empfehle ich dir Lukács – Geschichte und Klassenbewusstsein, wo die Formulierung auch herkommt, oder auch in anderer Terminologie bei Althusser, wenn dir das eher liegt…). Man kann Sachen im Übrigen auch ignorieren, wenn es einen nicht interessiert, auch wenn das schade wäre.
    Die Fragen waren als ernsthaftes Diskussionsangebot und solidarisches Interesse gemeint, weil wir M31 nicht als bekloppt, sondern eher als eine der sinnvolleren Aktionen der letzten Zeit wahrgenommen haben, aber doch so einiges widersprüchlich fanden. Wir dachten, wir haken mal nach, weil wir finden, dass es ein gemeinsames linkes Interesse geben sollte, über sowas zu diskutieren um die eigene Kritik zu schärfen.

  3. hallo permalink

    hallo drei???
    na ihr klärt also jedenfall?
    ein männerbund?! der alles kann!?
    yes baby die brauchen wir in der radikalen linken. oder wo auch immer ihr hingehört.

    Die moralische überlegenheit “fragen” zu stellen ins nichts, die auch eher einer abfällige längst beurteilter phase ähneln und zu behaupten man(n?) seie am Diskussionsprozess interessiert zeigt sich mir als eine verschiebung eurer Kritik.
    Schließlich habt ihr null interesse am mitwirken von m31 da ihr weder inhaltlich das ganze teilt noch die Groß-Demo Form gutheißt.
    Woher kommen dann die Fragen?

    Abgrenzung?Ok! aber dann ehrlich

    “solidarische Grüße”

    • peter permalink

      Ich hoffe wir klären nicht, sondern bringen ein wenig Unklarheit, die ja reflexive Auseinandersetzung – zwecks Verständnis – herausfordert.
      Und weil wir nicht alles können oder wissen fragen wir ja. Klären wäre dann ein kollektiver Prozess via Debatte, die ja aber bisher konsequent verweigert wird.
      Fragen als Angriff auf die eigene Position zu verstehen sagt im Übrigen so Einiges aus: das ist die offene Ablehnung jeder Diskussion zum Thema und damit zwangsläufig kritikfeindlich. Es wäre ja auch möglich die Fragen zu beantworten und Klarstellungen zu liefern. Es ist schließlich nicht so, als wenn man Angst haben müsste, dass das an dieser Stelle nicht veröffentlicht würde (vermute ich zumindest, angesichts dessen, was die Blogbetreiber_innen so alles zulassen…). Aber Fragen als Angriff zu werten spricht schon Bände über die Theorie- und Sprachlosigkeit derer, die sich angegriffen fühlen. Und ich vermute mal stark, dass das nicht die Leute aus dem Bündnis sind, das nur am Rande.

      Den Satz verstehe ich nicht: “Die moralische überlegenheit ‘fragen’ zu stellen ins nichts, die auch eher einer abfällige längst beurteilter phase ähneln und zu behaupten man(n?) seie am Diskussionsprozess interessiert zeigt sich mir als eine verschiebung eurer Kritik.”
      Welche Phase? Warum eine Verschiebung der Kritik? Von wo? Wohin?

      Und ich habe doch stark gehofft, dass m31 eben auch ein über die Großdemo hinaus gehendes Interesse hat. Deshalb ja die 7. Frage. Ichhabe zwar nichts davon mitbekommen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass die Leute, die bei m31 mitarbeiten alle nur eine Großdemo wollten, deshalb haben wir ja gefragt. Und die Antwort von Webin scheint ja zu bestätigen, dass Alltagspraxen als wichtiger wahrgenommen werden. Welche das sind wurde ja leider nicht beantwortet. Schade eigentlich.

      PS: Den Running Gag der radikalen Linken mit der Offenlegung von Strukturen durch deinen Männerbund-Vorwurf spare ich mir jetzt mal. Mag sein, dass wir Männer sind, ist mir aber ehrlich gesagt so ein bisschen schnuppe. Ich fände es ja eher beleidigend auf mein Geschlecht reduziert zu werden, aber vermutlich war ja auch genau das deine Absicht…

  4. peter permalink

    Oh, ich sehe gerade, dass es noch eine Antwort auf unseren Text gibt und nehme alles bezüglich der Diskussionsverweigerung zurück. Entschuldigt vielmals!

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