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[Gruppen Überall] „Niemand hat die Absicht eine Bank zu kritisieren“

April 2, 2012

M31
Heute findet in Frankfurt am Main der „EuropeanDay of Action against Capitalism“ statt, der auch als Startschuss einer Reihe von Krisenprotesten im kommenden Frühjahr gehandelt wird. Dabei soll es vor allem darum gehen, ein Zeichen gegen die autoritäre Krisenpolitik der EU zu setzen und sich solidarisch Hand in Hand für die Belange des europäischen Proletariers einzusetzen – und explizit nicht in national(istisch)e Argumentationen zu verfallen. Aus diesem Grund wurde in mehreren Ländern Europas mobil gemacht, marschiert man heute nicht nur neben deutschen Gewerkschafterinnen sondern auch mit syndikalistischen Genossen und verbündeten Antifa-Gruppen aus Gr, Nl, Es, Fr …

kritische Kritik ?
„So weit, so gut“ könnte man sich denken und es sogar begrüßen, dass seit einigen Jahren mal wieder der Versuch unternommen wird, eine radikale antikapitalistische Perspektive der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch wo sich Initiatorinnen von M31, wie das Bündnis „ums Ganze“, auf der einen Seite theoretisch stets bemühen einen sensiblen Umgang mit verkürzter Kapitalismuskritik und einem damit einhergehenden (strukturellen) Antisemitismus zu finden, wird auf der anderen Seite der Fokus der heutigen Praxis auf das Frankfurter Bankenviertel gelegt und es wird von einigen Gruppen gar zur Besetzung der EZB-Baustelle aufgerufen. Als rechtfertigende Ausrede musste bereits im Vorfeld der angeblich symbolhafte Standort der Institution EZB herhalten, welche „maßgeblich an der Umsetzung der Sparprogramme für die Peripherie Europas beteiligt“ sei. Wohl wissend
um die Implikationen der räumlichen Konzentration auf den metropolen Finanzsektor, teilte man in einem Interview mit der Jungle World
mit, dass es sich hierbei ja schließlich um „keine Geschäftsbank wie die Deutsche Bank“ handle, „sondern [um] eine politische Institution“, womit für die Vertreterinnen von M31 bereits alle Befürchtungen ausgeräumt seien. Dass hierbei die Scheinwerfer der Kritik praktisch
Richtung Banken gerichtet werden, ist nicht nur unnütz, weil systemkonformer Mainstream, sondern auch gefährlich, da diese nur zu leicht als Sündenböcke („1 %“) dienen.

Schuld ist alleine das System !
Doch die eigentliche Schuld an der Krise trägt nicht die Finanzbranche und die angebliche Gier von Einzelnen. Die Krise ist vielmehr logische
Konsequenz des Konkurrenz- und Verwertungszwangs einer Gesellschaft, in der alles zur Ware geworden ist. Jede Branche, jede Firma kann daher nur dann auf dem Markt bestehen, wenn sie nach dem Maximalprofit strebt, um sich gegen die anderen durchzusetzen, schneller,
mehr und effizienter produziert. Häufig müssen Arbeiterinnen Lohnkürzungen in Kauf nehmen, um die Konkurrenzfähigkeit der Firma
zu erhalten, sie ihre Arbeitsplätze nicht verlieren. Notwendigen Lohneinsparungen und sich verschlechternde Arbeitsbedingungen auf Kosten der Arbeiter, wirken positiv auf die Firma – der Widerspruch zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeberinnen tritt zu Tage.
Eben diese marktwirtschaftlichen Prinzipien sollten kritisiert werden und nicht irgendwelche Sektoren, Branchen oder Subsysteme innerhalb
des Kapitalismus.

Vom Zentrum der Macht
zum Zentrum der Ohnmacht
Statt sich heute mal wieder in einer pseudo-widerständigen Praxis von Geländespielchen und dem Rütteln an EZB-Baustellenzäunen zu üben,
sollte lieber an einer handfesten Kritik gebastelt werden, die alleine das System zum Gegenstand hat. Die Abschaffung von Warenproduktion und
Lohnarbeit, Geld, Kapital und Staat müssten in den Fokus einer solchen Kritik gerückt werden und als Grundvoraussetzungen für menschliche
Emanzipation benannt werden. An zweiter Stelle sollte sich über Strategien einer wirkungsvollen Vermittelbarkeit Gedanken gemacht werden. Es wird sich zeigen, ob der „Wunsch nach einer Aktion mit vielfältigem und offenem Charakter, die über die Kreise der Aktivsten_innen hinaus vermittelbar ist“ (FAU) in Erfüllung geht. Wir
würden uns diesem in jedem Fall, wenn auch skeptisch, anschließen.
Gegen Kapitalismus und personalisierende Kapitalismuskritik
Gruppe Überall

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From → Kritiken

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