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[???] Antwort auf [!!!]

April 20, 2012

Es handelt es sich hierbei um ein “Rückmeldung” auf folgenden Text:
https://m31kritikkritik.wordpress.com/2012/04/12/antwort-auf/
der wiederum eine Antwort war auf:
https://m31kritikkritik.wordpress.com/2012/03/30/fragen-an-m31/

Liebe drei Ausrufezeichen,

vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, euch mit unseren Fragen
auseinander zu setzen. Das macht Hoffnung auf eine lebendige Debatte.
Wir werden eine Erwiderung versuchen.
Zu 1: Wir würden tatsächlich sagen, dass “umfangreiche Privatisierungen
von öffentlichen Gütern und massive ökonomische Deregulierungen” nicht
näher an der Logik des Kapitals sind, da sich alles in derselben Struktur
vollzieht. Wenn Kapitalismus als gesellschaftliche Totalität begriffen
wird, so sind auch die Widerstände dagegen Ausfluss dieser Totalität.
Deshalb muss man ja nicht gegen Kämpfe der Proletarisierten um ein
besseres Leben sein. Es geht uns ja vor allem um die Begriffe. Ein
Vorschlag, wie wir es uns möglicherweise vorstellen könnten: Marktradikal
könnte zum Beispiel auf eine Stellung im Produktionsprozess verweisen, die
ein Interesse an einer möglichst reibungslosen Verwirklichung des Markts
(und auch der Verwertung) hervorbringt: die Klasse der Kapitaleigner also.
Das würde klar machen, wo der eigene Klassenstandpunkt (im Sinne einer
Klasse des Bewusstseins: wir alle sind rein materiell vermutlich
mehrheitlich nicht Klasse an sich, zumindest aus dem Jargon könnte man das
schließen…) liegt. Nötig wäre dann aber eine Explikation, denn
marktradikal – auch wenn ihr das zweifellos versteht – wird leider von der
Mehrheit der Menschen (da wären wir wieder beim notwendig falschen
Bewusstsein) nicht in diesem reflektierten Sinn verstanden, sondern eben
in fetischisierter Form und wenn es einfach nur so ohne weiteres dasteht,
läd das die Leute zu Fehlschlüssen ein. Eure Formulierung ist eben an
diesem Punkt offen für alles mögliche (das zieht sich übrigens durch den
Text), was ja auch dazu geführt hat, dass auf eure Demo ganz schön viele
krude Leute gekommen sind. Wir hoffen zumindest mal, dass ihr das auch so
sehen würdet.
Zu 2: Das war vielleicht ein wenig zu flapsig. Wir meinten jetzt nicht,
welche Personen ihr seid, sondern wollten darauf hinaus, wen ihr in dieses
“Wir” mit einbezieht. Es scheint ja bei euch als Platzhalter für ein
revolutionäres Subjekt oder die Allgemeinheit oder wen auch immer zu
stehen. Wen ihr da alles mit einbezieht hätte uns interessiert.
Zu 3: Das Problem ist aber doch, dass die Sündenböcke nebeneinander
existieren. Das Ressentiment ist ja keine exklusive Angelegenheit, die nur
eine Gruppe trifft. Wir würden die These aufstellen, dass es eben beides
gibt: die strukturell antisemitische Hetze gegen die gierigen Banker zum
Einen, aber eben auch eine rassistisch-chauvinistische Stimmung gegen die
“faulen Südländer”. Dass das aber – gerade in Deutschland – schon immer
Hand in Hand ging und sich nicht einfach abwechselte, dürfte auch euch
bekannt sein: die Debatte ist in der radikalen Linken ja auch nicht neu.
Es handelt sich ja hier nicht um neue Formen. Nur weil die Zeitungen
anders schreiben und sich der öffentliche Fokus verschiebt sind die
Ressentiments bei den Menschen ja nicht einfach verschwunden. Und die
binäre Logik, die ihr am Ende eurer Antwort aufmacht, schmeckt uns nicht
wirklich. Die Alternative ist ja nicht: entweder die Banken zahlen oder
die Hartz-IV-Empfänger. Vielmehr sollte es Linksradikalen doch darum gehen
die Systemfrage permanent zu stellen und zu sagen: “Niemand zahlt! Alles
für alle!” In diesem Sinne wäre eine revolutionäre Praxis doch auch eher
den Leuten zu sagen: “Nehmt euch was ihr braucht, dieses System wird es
euch nicht geben: Plündert, besetzt, klaut Strom, nehmt euch den
öffentlichen Raum!” Eine Verschiedung auf die politische Sphäre
verschleiert eben diese ganz konkreten Fragen und lässt die Leute in den
Seilen hängen, weil sie auf den politischen Erdrutsch warten, der ihnen
Luxus bringt und soziale Solidarität Wirklichkeit werden lässt. Dieser
Erdrutsch kommt aber in diesen Verhältnissen nicht: Die Verdammten dieser
Erde frieren, verhungern und bleiben unglücklich. Dagegen gilt es
Widerstand und nicht Protest zu organisieren.
Zu 4: Zu weiten Teilen: Ja. Aber dazu auch mehr unter 6. Die Thematik der
Fragen verschwimmt ja auch ein wenig.
Zu 5: Da habt ihr Recht.
Zu 6: Da geht ihr für unseren Geschmack ein wenig zu weit. Die Frage ist
doch, was hier eigentlich ins Wanken kommt. Wir würden vermuten, dass die
neuen sozialen Bewegungen, die im Rahmen der Krise entstanden sind (Occupy
bspw.) ein ganz anderes Verständnis davon haben, was “Kapitalismus” oder
“das System” ist. Das sieht man ja auch an so kruden Freigeld-Debatten,
die dort geführt werden. Unsere Kritik wäre hier auch nicht, dass die
emanzipatorische Linke (zu der wir frecherweise jetzt mal euch und uns
zählen würden) interveniert hat, sondern dass sie nicht massiv genug
interveniert hat und deshalb auch in diesen Bewegungen nie ernst genommen
wurde und sich auf Diskussionen über linksradikale Konzepte auch nicht
wirklich eingelassen wurde. Insbesondere die deutsche Linke hat da ein
wenig Angst “sich die Hände schmutzig zu machen” und mit den einfachen
Leuten (die selbstverständlich mangels Reflexion oft reaktionäre
Positionen vertreten) in Kontakt zu kommen und zu diskutieren. Das ist
mega anstrengend, wäre aber bestimmt auch sehr lohnend, auch für die
Weiterentwicklung der eigenen Kritik. Eine Großdemo reicht dafür jedenfall
snicht aus, aber dazu sagt ihr ja auch noch was im nächsten Punkt.
Zu 7: Hier würden wir ja eben ganz im obigen Sinn sage: Vernetzung unter
Linksradikalen schön und gut, aber wenn man nicht aus dem eigenen Ghetto
rauskommt, interessiert sich für die Inhalte kein Schwein und schafft
keine Basis für einen breiten Widerstand, der nämlich Zeit bräuchte und
auch weiter denken müsste als bis zum Ende der Krise. Oh und bezüglich
“Werbung für den Kommunismus”: das war in der Tat ein wenig Stichelei,
aber dahinter steckt auch ein Punkt Kritik (und die Antifa [F] war ja auch
Teil des Bündnisses). In diesem Satz kommt ein gewisses Verständnis von
politischer Arbeit zum Ausdruck, den wir für einen Teil des Problems
halten. Es geht – zumindest uns – eben nicht darum Werbung zu machen, wie
für ein Produkt oder einen besonders attraktiven Gesellschaftsentwurf im
Vergleich zu anderen, denn so rutscht die eigene Argumentation in die
Beliebigkeit der allgemeinen Meinungspluralismus (“Repressive Toleranz”
ist hier das Stichwort…). Aber für die konkrete Aktion wäre freilich zu
belegen, dass das auch Umsetzung findet. Das müssen wir schuldig bleiben
und insofern ist es in diesem Kontext wohl eher zu ignorieren und als
kindische Stichelei abzutun. 😉
Zu 8: Würdet ihr solche Diskussionsprozesse öffentlich machen, würde das
der radikalen Linken helfen. Nicht alle Leute haben Lust oder Zeit oder
die Energie sich an diesen Aktionen zu beteiligen, aber – wie sich mit dem
m31kritikkritik-Blog ja gezeigt hat – durchaus an inhaltlicher
Auseinandersetzung. Wenn ihr daran auch Interesse habt und das auch mit
Leuten außerhalb eures Bündnisses wäre es doch eine gute Idee, eure
eigenen Debatten – insofern sie nicht Repressionsrelevant sind – auch mit
anderen zu teilen. Das würde auch ein viel sympathischeres Bild von euch
ergeben: nicht als monolithischer Block, der mit einer Stimme spricht,
sondern eine Vielheit an Individuen und Zusammenhängen, die ihre
Erfahrungen, Überzeugungen und ihr Wissen einbringen und auf Grundlage
eines gemeinsamen Konsens in der gemeinsamen Aktion zueinander finden. Das
Bild von leidenschaftlichen Menschen, die um Positionen streiten und sich
ständig bemühen, die eigenen Inhalte zu überprüfen, weiter zu entwickeln
und Kritik zu unterziehen. Das Bild des abgeschlossenen Black Blocks gibt
es eben nicht nur auf Demos ganz physisch, sondern wird auch hier
reproduziert: eine geschlossene In-Crowd, die unter sich bleiben möchte.
Das wirkt schnell ignorant gegenüber anderen.
Zu 9: Cool. So sehen wir das auch!

Wir freuen uns auf weiteren Austausch und wünschen euch nur das Beste,
???

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From → Kritiken

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